Impingement Hüfte

Impingement Hüfte

Hallo lieber Besucher! Vermutlich wurde bei dir ein Impingement in der Hüfte (femoroacetabuläres Impingement) festgestellt. Wahrscheinlich sind dir einige der folgenden Szenarien vertraut:

  • Dir wurde zu einer OP (sog. Arthroskopie) geraten um eine Arthrose zu vermeiden.
  • Du hast dich bereits einer Hüftarthroskopie unterzogen, doch dich plagen noch immer Hüftschmerzen.
  • Bei dir wurde eine Läsion der Gelenklippe (Labrum) diagnostiziert.
  • Die verschriebenen Physiotherapie Sitzungen führen nicht zu einer Verbesserung.
  • Dir wurde empfohlen, den Sport, dem du so leidenschaftlich nachgehst, aufzugeben.
  • Du leidest an Hüftschmerzen und weißt nicht woher diese kommen.
  • Die Beweglichkeit deiner Hüfte ist eingeschränkt und die Knochen reiben aufeinander.

Auf dieser Seite wird dir ein Weg gezeigt, wie du ohne einen operativen Eingriff deine Schmerzen bekämpfen kannst und deinen vollen Bewegungsumfang in der Hüfte zurückgewinnst. Dieser Behandlungsansatz wird dir auch helfen, wenn du bereits eine OP hinter dir hast.

Die konventionelle Sicht der Schulmedizin ist, dass eine fehlerhafte Form der Knochen zu Hüftschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Hüftarthrose und Labrumläsionen führt. Dabei wird zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden.

Cam Impingement

Ist der Oberschenkelkopf fehlerhaft geformt, spricht man von einem sogenannten Cam Impingement oder auch Nockenwellenimpingement. Durch eine fehlerhafte Taillierung des Schenkelhalsknochens kommt es zu einer Verengung des Spalts im Gelenk. Dies führt zu der Reibung des Femurs an das Labrum der Hüftpfanne. Die Folge sind Schmerzen, Labrumläsionen und Einschränkungen im Bewegungsumfang.

Pincer Impingement

Bei dem  Pincer Impingement oder auch Beißzangenimpingement ist der Oberschenkelkopf normal geformt. Jedoch hat die Hüftgelenkspfanne (Acetabulum) die Form einer Beißzange. Sie hat also eine verstärkte Überdachung. Dadurch kommt es zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen, da der Femur vorzeitig an die Hüftgelenkspfanne anschlägt.

Eine Kombination aus Cam- und Pincerimpingement ist durchaus üblich.

Die herkömmliche Behandlungsmethode: Hüftarthroskopie

Bei der Hüftarthroskopie oder auch Gelenkspiegelung handelt es sich um ein minimal-invasives Verfahren bei dem Erkrankungen der Hüfte sowohl diagnostiziert, als auch behandelt werden können. Vor der eigentlichen Operation wird an dem zu behandelnden Bein gezogen, um den Spalt im Gelenk zu vergrößern. Anschließend führt der Operateur spezielle Instrumente durch drei kleine Hautschnitte in das Gelenk ein. Dazu zählen unter anderem eine Lichtquelle, eine Kamera, mechanische Schneidinstrumente und eine Knochenfräse. Bei einer Schädigung des Labrums wird dieses geglättet und anschließend erneut fixiert. Die Cam- bzw. Pincerdeformität wird mithilfe der Knochenfräse abgetragen. Zur Überwachung des Eingriffs dient ein mobiles Röntgengerät.

Warum Physiotherapie meistens nicht funktioniert

Die Problematik Hüftimpingement ist noch immer ziemlich ungenügend erforscht. Viele Physiotherapeuten/therapeutinnen sind deshalb oft ratlos und legen den Fokus auf die falschen Muskelgruppen. Zudem werden in der Regel nur Muskeln aufgedehnt und die entsprechenden Gegenspieler (Gesäßmuskulatur) nicht aktiv gestärkt. Des Weiteren reichen die verschriebenen paar Sitzungen oft nicht aus, um ein Impingement dauerhaft zu beheben. Dazu ist – wie meistens im Leben – viel Arbeit und Zeit nötig. Jedoch lohnt es sich die Zeit und Mühe zu investieren.

Symptome

Zu den Symptomen eines FAI gehören

  • Hüftschmerzen,
  • Bewegungseinschränkungen,
  • Coxarthrose und
  • ein fehlerhaftes Gangbild.

Aktueller Forschungsstand

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse widerlegen die These, dass eine fehlerhafte Knochenform der Grund eines Impingements ist.

Ein femoroacetabuläres Impingement (FAI) führt nicht zu Arthritis.

  • Über 80 Prozent der Patienten, bei denen im MRT ein FAI festgestellt wurde, sind symptomfrei und entwickelten keine Osteoarthritis (Langzeitstudie: 18,5 Jahre)1)HARTOFILAKIDIS G.,BARDAKOS N.V., BABIS G.C. GEORGIADES G., 2010: An examination of the association between different morphotypes of femoroacetabular impingement in asymptomatic subjects and the development of osteoarthritis of the hip, The Journal of bone and joint surgery, 93(2011), 580-586
  • Eine Hüfte mit Cam Impingement läuft nicht zwangsweise auf arthritische Degeneration im Endstadium hinaus (Langzeitstudie>10 Jahre).2)BADRAKOS NV., VILLAR RN., 2009: Predictors of progression of osteoarthritis in femoroacetabular impingement: a radiological study with a minimum of ten years follow-up, Journal of bone and joint surgery, 91(2009), 162-169
  • Pincer Deformitäten führen nicht zu Osteoarthritis.3)AGRICOLA R., HEIJBOER MP, ROZE RH., REIJMAN M., BIERMA-ZEINSTRA SM, VERHAAR JA, WEINANS H., WAARSING JH., 2013: Pincer deformity does not lead to osteoarthritis of the hip whereas acetabular dysplasia does: acetabular coverage and development of osteoarthritis in a nationwide prospective cohort study (CHECK), Osteoarthritis Research Society International, 21, 1514–1521

Die unterschiedlichen Formen der Knochen sind normale anatomische Variationen und keine Anzeichen für eine Krankheit.

  • Ein Zusammenhang zwischen Cam- und Pincerdeformität und Schmerzen ist nicht gegeben.4)NARDO L., PARIMI N., LIU F., LEE S., JUNGMANN P., NEVITT M., LINK T. LANE N. 2015: Femoroacetabular Impingement: Prevalent and Often Asymptomatic in Older Men: The Osteoporotic Fractures in Men Study, Clinical Orthopaedics and Related Research, 2015, 2578–2586
  • Eine Korrelation der zwischen der Cam Deformität – diagnostiziert mit bildgebenden Verfahren – und Hüftschmerzen konnte nicht gefunden werden.5)GOSVIG K. K., JACOBSEN S., SONNE-HOLM S., GEBUHR P., 2008: The prevalence of cam-type deformity of the hip joint: a survey of 4151 subjects of the copenhagen osteoarthritis study, Sage Journals

Konservative Behandlung zählt als eine erfolgreiche Therapie gegen FAI und Labrumläsionen.

  • Patienten mit geschädigtem Labrum sprechen gut auf eine nichtinvasive Therapie an.6)YAZBEK M., OVANESSIAN V., MARTIN L. FUKUNDA T., 2011: Nonsurgical Treatment of Acetabular Labrum Tears: A Case Series, Journal of orthopaedic & sports physical therapy, 41, 346-353
  • Eine Reduktion der Adduktion und Innenrotation der Hüfte führt zu einer Verbesserung der Symptome.7)AUSTIN A., SOUZA R., MEYER J., POWERS C., 2008:  Identification of Abnormal Hip Motion Associated With Acetabular Labral Pathology, Journal of orthopaedic & sports physical therapy, 38, 558-565

Eine Hüftarthroskopie ist häufig nicht zielführend.

  • Die Erwartungen der Patienten an eine Operation werden meistens nicht erfüllt.8)MANNION A., IMPELLIZZERI F., NAAL F., LEUNIG M., 2012: Fulfilment of patient-rated expectations predicts the outcome of surgery for femoroacetabular impingement, Osteoarthritis and Cartilage, 21 (2013), 44-50

Selbsttest

Damit du dich selbst davon Überzeugen kannst, dass dein Problem nicht Ursache einer fehlerhaften Knochenform ist, lade ich dich zu folgender Übung ein:

Setze dich auf einen Stuhl. Hebe den Oberschenkel des entsprechenden Beines Richtung Oberkörper an. Höchstwahrscheinlich wirst du eine Reibung/Schmerz wahrnehmen können. Wiederhole die selbe Übung. Diesmal spannst du jedoch deine Gesäßmuskulatur ganz bewusst an.

Merkst du einen Unterschied?

Spürst du immer noch ein Anstoßen des Oberschenkelkopfes?

In der Regel kommt es bei dem bewussten Anspannen der Gesäßmuskulatur dazu, dass der Femur bei der Hüftbeugung nach hinten gezogen wird und nicht mehr bzw. weniger an das vordere Dach der Hüftpfanne anstößt. Wenn du es schaffst, durch die entsprechenden Übungen diesen Effekt dauerhaft zu halten und die verkürzten Strukturen aufzudehnen, wirst du nicht mehr an einem Impingement leiden.

Keine Sorge, falls diese Übung keinen Effekt bei dir erzielt, liegt es sehr wahrscheinlich daran, dass an einer bestimmten Stelle deine Faszien noch zu stark verklebt sind. Diese kannst du mit Faszientraining und Dehnübungen behandeln.

Du kannst probeweise mal die Übungen in diesem Programm ausprobieren und anschließend testen, ob sich die Beweglichkeit in deinem Hüftgelenk kurzzeitig verbessert hat. Das sollte Beweis genug sein, dass das Impingement nichts mit deinen Knochen zu tun hat.

Zusammenfassung

Grund für das Hüftimpingement ist also laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen keine fehlerhafte Form der Knochen. Es handelt sich hierbei vielmehr um ein funktionelles Problem. Die vorderen Muskeln der Hüfte sind verkürzt. Dazu zählen

  • Musculus quadriceps femoris (Beinstrecker),
  • Musculus psoas major (Hüftbeuger),
  • Musculus pectineus, Musculus adductor longus, Musculus adductor brevis, Musculus adductor magnus und Musculus gracilis (Adduktoren).

Die hinteren Muskeln an der Hüfte, die den Knochen nach außen und hinten (Abduktion, Hüftstreckung und externe Rotation) ziehen sind schwach und können nicht mehr richtig feuern. Zu diesen Muskeln zählen

  • Musculus gluteus maximus (großer Gesäßmuskel),
  • Musculus gluteus medius (mittlerer Gesäßmuskel),
  • Musculus gluteus minimus (kleiner Gesäßmuskel),
  • Musculus tensor fasciae latae (Oberschenkelbindenspanner),
  • Musculus piriformis (birnenförmiger Muskel) und
  • Musculus obturatorius internus (innerer Hüftlochmuskel).

Letztlich führt dieses Ungleichgewicht zu den Hüftschmerzen. Was tatsächlich schmerzt sind die Muskeln und nicht – wie vermutet – die Knochen, da in dem Knochengewebe selbst keine Schmerzrezeptoren vorhanden sind. Es gilt also dieses Ungleichgewicht durch Übungen auszugleichen, um die Hüftschmerzen zu beheben. Muskeln bewegen Knochen. Wenn du lernst, wie du deine Knochen wieder richtig bewegen kannst, wirst du keine Hüftschmerzen oder Bewegungseinschränkungen mehr haben.

Doch bevor du dich den Übungen zuwendest, solltest du vorerst überprüfen, welche Muskeln bei dir verkürzt sind. Dadurch kannst du deine Dehnübungen entsprechend anpassen und eine Menge Zeit sparen.

Hier kommst du zu den unterschiedlichen Testverfahren:

Zusammenfassung
Datum
Artikelbezeichnung
Impingement Hüfte - Ein Behandlungsansatz ohne Operation
Bewertung
51star1star1star1star1star

Quellen/Literatur   [ + ]

1. HARTOFILAKIDIS G.,BARDAKOS N.V., BABIS G.C. GEORGIADES G., 2010: An examination of the association between different morphotypes of femoroacetabular impingement in asymptomatic subjects and the development of osteoarthritis of the hip, The Journal of bone and joint surgery, 93(2011), 580-586
2. BADRAKOS NV., VILLAR RN., 2009: Predictors of progression of osteoarthritis in femoroacetabular impingement: a radiological study with a minimum of ten years follow-up, Journal of bone and joint surgery, 91(2009), 162-169
3. AGRICOLA R., HEIJBOER MP, ROZE RH., REIJMAN M., BIERMA-ZEINSTRA SM, VERHAAR JA, WEINANS H., WAARSING JH., 2013: Pincer deformity does not lead to osteoarthritis of the hip whereas acetabular dysplasia does: acetabular coverage and development of osteoarthritis in a nationwide prospective cohort study (CHECK), Osteoarthritis Research Society International, 21, 1514–1521
4. NARDO L., PARIMI N., LIU F., LEE S., JUNGMANN P., NEVITT M., LINK T. LANE N. 2015: Femoroacetabular Impingement: Prevalent and Often Asymptomatic in Older Men: The Osteoporotic Fractures in Men Study, Clinical Orthopaedics and Related Research, 2015, 2578–2586
5. GOSVIG K. K., JACOBSEN S., SONNE-HOLM S., GEBUHR P., 2008: The prevalence of cam-type deformity of the hip joint: a survey of 4151 subjects of the copenhagen osteoarthritis study, Sage Journals
6. YAZBEK M., OVANESSIAN V., MARTIN L. FUKUNDA T., 2011: Nonsurgical Treatment of Acetabular Labrum Tears: A Case Series, Journal of orthopaedic & sports physical therapy, 41, 346-353
7. AUSTIN A., SOUZA R., MEYER J., POWERS C., 2008:  Identification of Abnormal Hip Motion Associated With Acetabular Labral Pathology, Journal of orthopaedic & sports physical therapy, 38, 558-565
8. MANNION A., IMPELLIZZERI F., NAAL F., LEUNIG M., 2012: Fulfilment of patient-rated expectations predicts the outcome of surgery for femoroacetabular impingement, Osteoarthritis and Cartilage, 21 (2013), 44-50