Impingement Hüfte

Wie ich mit konservativen Methoden ohne eine Operation meine Hüftimpingement auskuriert habe und wie du das auch kannst

Hallo lieber Besucher,


Vermutlich wurde bei dir ein Impingement in der Hüfte festgestellt. Die Diagnose ist auch bekannt als femoroacetabuläres Impingement, Impingement Syndrom Hüfte, Cam ImpingementPincer Impingement oder FAI. Wahrscheinlich sind dir einige der folgenden Szenarien vertraut:

  • Dir wurde zu einer OP (sog. Arthroskopie) geraten um eine Arthrose zu vermeiden.
  • Du hast dich bereits einer Hüftarthroskopie unterzogen, doch dich plagen noch immer Hüftschmerzen.
  • Bei dir wurde eine Läsion der Gelenklippe (Labrum) diagnostiziert.
  • Du hast Osteophyten und Zysten in deinem Hüftgelenk.
  • Die verschriebenen Physiotherapie Sitzungen führen nicht zu einer Verbesserung.
  • Dir wurde empfohlen, den Sport, dem du so leidenschaftlich nachgehst, aufzugeben.
  • Du leidest an Hüftschmerzen und weißt nicht woher diese kommen.
  • Die Beweglichkeit deiner Hüfte ist eingeschränkt und die Knochen reiben aufeinander.


Die ​Lösung:

Auf dieser Seite wird dir ein Weg gezeigt, wie du ohne einen operativen Eingriff  dein Hüftimpigement mit konservativen Methoden selbst behandeln kannst. Dir werden Übungen an die Hand gegeben, mit denen Du die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen deiner Hüfte bekämpfst . Dieser Behandlungsansatz wird dir auch helfen, wenn du bereits eine OP hinter dir hast.

Die konventionelle Sicht der Medizin ist, dass eine fehlerhafte Form der Knochen zu Hüftschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Hüftarthrose und Labrumläsionen führt. Dabei wird zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden.Die Sicht der Schuldmedizin beschreibt ein Cam Impingement in der Hüfte wie folgt:

Cam Impingement Hüfte


Bei einem Cam Impingement – auch bekannt als Nockenwellen Impingement – wird davon ausgegangen, dass der Engpass im Hüftgelenk durch eine zu geringe Taillierung des Hüftkopfes entsteht. Der Hüftkopf ist also theoretisch zu groß, um sich ohne Bewegungseinschränkungen im Hüftgelenk bewegen zu können. Er schlägt also an die Hüftpfanne an. Dadurch kann der Knorpel vom Pfannenrand abreißen oder die Gelenklippe – auch Labrum genannt – beschädigt werden. In folgender Abbildung ist die Problematik dargestellt. Links ist eine gesunde Hüfte ohne Bewegungseinschränkungen zu sehen. Auf dem rechten Bild sieht man eine Cam Deformität. Die Bewegung ist hier eingeschränkt.

Pincer Impingement

Ein Pincer Impingement (engl. pincer=Greifzange) wird aus der Sicht der Schulmedizin wie folgt beschrieben:

Bei einem Pincer Impingement Syndrom ist der Oberschenkelhals normal tailliert. Die Hüftpfanne (Acetabulum) ist jedoch überdurchschnittlich stark ausgeprägt, sodass sie den Hüfftkopf stärker umschließt. Dieser wird also sprichwörtlich "in die Zange" genommen. Folgende Abbildung beschreibt die Pincer Deformität näher. Links ist eine gesunde Hüfte zu sehen. Auf der rechten Illustration ist ein Pincer Impingement dargestellt. Hier kann eine deutlich verstärkte Überdachung des Oberschenkelknochens beobachtet werden.


Kombination aus Cam- & Pincer Impingement Hüfte

Eine Kombination aus Cam- und Pincerimpingement ist durchaus üblich.

Impingement Syndrom Hüfte: Symptome


Zu den Symptomen eines Impingementsyndroms in der Hüfte zählen:

  • Schmerzen in der Leistengegend in Ruhe und bei Bewegung
  • Bewegungseinschränkungen im Hüftgelenk
  • Schmerzen beim Sitzen, Gehen, Treppen steigen Sport und endgradigen Bewegungen wie beispielsweise der Kniebeuge
  • Ausstrahlende Schmerzen im Oberschenkel
  • weitere orthopädische Probleme: z.B. Beckenschiefstand, Beinlängendifferenz, Skoliose, Bandscheibenvorfall

Hüftimpingement OP: Hüftarthroskopie

Bei der Hüftarthroskopie oder auch Gelenkspiegelung handelt es sich um ein minimal-invasives Verfahren bei dem Erkrankungen der Hüfte sowohl diagnostiziert, als auch behandelt werden können. Vor der eigentlichen Operation wird an dem zu behandelnden Bein gezogen, um den Spalt im Gelenk zu vergrößern. Anschließend führt der Operateur spezielle Instrumente durch drei kleine Hautschnitte in das Gelenk ein. Dazu zählen unter anderem eine Lichtquelle, eine Kamera, mechanische Schneidinstrumente und eine Knochenfräse. Bei einer Schädigung des Labrums wird dieses geglättet und anschließend erneut fixiert. Die Cam- bzw. Pincerdeformität wird mithilfe der Knochenfräse abgetragen. Zur Überwachung des Eingriffs dient ein mobiles Röntgengerät.

Wird ​damit das Problem gelöst?

Durch die Abtragung von Knochenmasse wird das eigentliche Problem - ein fehlerhaftes Zusammenspiel der Muskeln - nicht beachtet. Nicht selten kommt es nach einer Operation nicht zu der gewünschten Besserung. So beginnt ein langer Kreislauf von mehreren Folgeoperationen ohne einer Besserung der Impingement-Symptomatik.

Die Alternative: Physiotherapie

Häufig wird vor einer Operation Physiotherapie verschrieben. Dabei wird versucht, mit manueller Therapie (mit der Hand) die Hüftmuskulatur so zu bearbeiten, dass sich Verspannungen lösen können. Meistens wird der Hüftbeuger aufgedehnt, was bei Betroffenen immerhin eine kurzfristige Schmerzlinderung mit sich bringt.

Das Proble​m:

Die Problematik Hüftimpingement ist noch immer ziemlich ungenügend erforscht. Viele Physiotherapeuten/therapeutinnen sind deshalb oft ratlos und legen den Fokus auf die falschen Muskelgruppen. Zudem werden in der Regel nur Muskeln aufgedehnt und die entsprechenden Gegenspieler (Gesäßmuskulatur) nicht aktiv gestärkt. Des Weiteren reichen die verschriebenen paar Sitzungen oft nicht aus, um ein Impingement dauerhaft zu beheben. Dazu ist - wie meistens im Leben - viel Arbeit und Zeit nötig. Jedoch lohnt es sich die Zeit und Mühe zu investieren.

Aktueller Forschungsstand

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse widerlegen die These, dass eine fehlerhafte Knochenform der Grund eines Impingements ist.

1

Ein femoroacetabuläres Impingement (FAI) führt nicht zu Arthritis.

  • Über 80 Prozent der Patienten, bei denen im MRT ein FAI festgestellt wurde, sind symptomfrei und entwickelten keine Osteoarthritis (Langzeitstudie: 18,5 Jahre) [1].
  • Eine Hüfte mit Cam Impingement läuft nicht zwangsweise auf arthritische Degeneration im Endstadium hinaus (Langzeitstudie>10 Jahre) [2].
  • Pincer Deformitäten führen nicht zu Osteoarthritis [3].
2

Die unterschiedlichen Formen der Knochen sind normale anatomische Variationen und keine An​zeichen für eine Krankheit.

  • Ein Zusammenhang zwischen Cam- und Pincerdeformität und Schmerzen ist nicht gegeben [4].
  • Eine Korrelation der zwischen der Cam Deformität – diagnostiziert mit bildgebenden Verfahren – und Hüftschmerzen konnte nicht gefunden werden [5].
3

Konservative Methoden zählen als eine erfolgreiche Therapie gegen FAI und Labrumläsionen.

  • Patienten mit geschädigtem Labrum sprechen gut auf eine nichtinvasive Therapie an [6].
  • Eine Reduktion der Adduktion und Innenrotation der Hüfte führt zu einer Verbesserung der Symptome [7].
4

Eine Hüftarthroskopie ist häufig nicht zielführend.



Die Erwartungen der Patienten an eine Operation werden meistens nicht erfüllt [8].





Du bist noch nicht überzeugt? Mache den Selbsttest!

Damit du dich selbst davon Überzeugen kannst, dass dein Problem nicht Ursache einer fehlerhaften Knochenform ist, lade ich dich zu folgender Übung ein:


  1. Setze dich auf einen Stuhl. 
  2. Hebe den Oberschenkel des entsprechenden Beines Richtung Oberkörper an (Höchstwahrscheinlich wirst du eine Reibung/Schmerz wahrnehmen können).
  3. Wiederhole die selbe Übung. Diesmal spannst du jedoch deine Gesäßmuskulatur ganz bewusst an.

Merkst du einen Unterschied?

In der Regel kommt es bei dem bewussten Anspannen der Gesäßmuskulatur dazu, dass der Femur bei der Hüftbeugung nach hinten gezogen wird und nicht mehr bzw. weniger an das vordere Dach der Hüftpfanne anstößt. Wenn du es schaffst, durch die entsprechenden Übungen diesen Effekt dauerhaft zu halten und die verkürzten Strukturen aufzudehnen, wirst du nicht mehr an einem Impingement leiden.

Keine Sorge, falls diese Übung keinen Effekt bei dir erzielt, liegt es sehr wahrscheinlich daran, dass an einer bestimmten Stelle deine Faszien noch zu stark verklebt sind. Diese kannst du mit Faszientraining und Dehnübungen behandeln.

Zusammenfassung

Grund für das Hüftimpingement ist also laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen keine fehlerhafte Form der Knochen. Es handelt sich hierbei vielmehr um ein funktionelles Problem. Die vorderen Muskeln der Hüfte sind verkürzt.

Dazu zählen:

  • Musculus quadriceps femoris (Beinstrecker),
  • Musculus psoas major (Hüftbeuger),
  • Musculus pectineus, Musculus adductor longus, Musculus adductor brevis, Musculus adductor magnus und Musculus gracilis (Adduktoren).

Die hinteren Muskeln an der Hüfte, die den Knochen nach außen und hinten (Abduktion, Hüftstreckung und externe Rotation) ziehen sind schwach und können nicht mehr richtig feuern. 

Zu diesen Muskeln zählen:

  • Musculus gluteus maximus (großer Gesäßmuskel),
  • Musculus gluteus medius (mittlerer Gesäßmuskel),
  • Musculus gluteus minimus (kleiner Gesäßmuskel),
  • Musculus tensor fasciae latae (Oberschenkelbindenspanner),
  • Musculus piriformis (birnenförmiger Muskel) und
  • Musculus obturatorius internus (innerer Hüftlochmuskel).

Letztlich führt dieses Ungleichgewicht zu den Hüftschmerzen. Was tatsächlich schmerzt sind die Muskeln und nicht – wie vermutet – die Knochen, da in dem Knochengewebe selbst keine Schmerzrezeptoren vorhanden sind. Es gilt also dieses Ungleichgewicht durch Übungen auszugleichen, um die Hüftschmerzen zu beheben. Muskeln bewegen Knochen. Wenn du lernst, wie du deine Knochen wieder richtig bewegen kannst, wirst du keine Hüftschmerzen oder Bewegungseinschränkungen mehr haben.

Doch bevor du dich den Übungen zuwendest, solltest du vorerst überprüfen, welche Muskeln bei dir verkürzt sind. Dadurch kannst du deine Dehnübungen entsprechend anpassen und eine Menge Zeit sparen.

Hier kommst du zu den unterschiedlichen Testverfahren:

Literatur:

[1] HARTOFILAKIDIS G.,BARDAKOS N.V., BABIS G.C. GEORGIADES G., 2010: An examination of the association between different morphotypes of femoroacetabular impingement in asymptomatic subjects and the development of osteoarthritis of the hip, The Journal of bone and joint surgery, 93(2011), 580-586

[2] BADRAKOS NV., VILLAR RN., 2009: Predictors of progression of osteoarthritis in femoroacetabular impingement: a radiological study with a minimum of ten years follow-up, Journal of bone and joint surgery, 91(2009), 162-169

[3] AGRICOLA R., HEIJBOER MP, ROZE RH., REIJMAN M., BIERMA-ZEINSTRA SM, VERHAAR JA, WEINANS H., WAARSING JH., 2013: Pincer deformity does not lead to osteoarthritis of the hip whereas acetabular dysplasia does: acetabular coverage and development of osteoarthritis in a nationwide prospective cohort study (CHECK), Osteoarthritis Research Society International, 21, 1514–1521

[4] NARDO L., PARIMI N., LIU F., LEE S., JUNGMANN P., NEVITT M., LINK T. LANE N. 2015: Femoroacetabular Impingement: Prevalent and Often Asymptomatic in Older Men: The Osteoporotic Fractures in Men Study, Clinical Orthopaedics and Related Research, 2015, 2578–2586

[5] GOSVIG K. K., JACOBSEN S., SONNE-HOLM S., GEBUHR P., 2008: The prevalence of cam-type deformity of the hip joint: a survey of 4151 subjects of the copenhagen osteoarthritis study, Sage Journals

[6] YAZBEK M., OVANESSIAN V., MARTIN L. FUKUNDA T., 2011: Nonsurgical Treatment of Acetabular Labrum Tears: A Case Series, Journal of orthopaedic & sports physical therapy, 41, 346-353

[7] AUSTIN A., SOUZA R., MEYER J., POWERS C., 2008:  Identification of Abnormal Hip Motion Associated With Acetabular Labral Pathology, Journal of orthopaedic & sports physical therapy, 38, 558-565

[8] MANNION A., IMPELLIZZERI F., NAAL F., LEUNIG M., 2012: Fulfilment of patient-rated expectations predicts the outcome of surgery for femoroacetabular impingement, Osteoarthritis and Cartilage, 21 (2013), 44-50